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Verleger Burkhard P. Bierschenck zur Zukunft von VNM

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Burkhard P. Bierschenck

Der Verlag Neuer Merkur ist aus München in den Vorort Planegg umgezogen. Fachmedien NEWS sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Burkhard P. Bierschenck.


Fachmedien NEWS: Der Umzug in neue Räume kam 2015 überraschend. Was steckt dahinter?

Burkhard P. Bierschenck: Ganz so überraschend war das nicht. Unser alter Mietvertrag lief nach 10 Jahren aus und wir standen vor der Frage, ob wir dort bleiben sollen. Da es ein übergroßes Angebot an Gewerbeimmobilien gab, haben wir uns eben umgesehen und sind rasch fündig geworden. Der neue Standort Planegg ist ideal, moderne Räume, gut zu erreichen und Miete und Gewerbesteuer sind günstiger, da haben wir nicht lange überlegen müssen.

Fachmedien NEWS: Hat der Umzug zu spürbaren Veränderungen geführt?

Burkhard P. Bierschenck: Ja. Wir haben früher großzügige Räumlichkeiten für Inhouse-Seminare gehabt. Durch die stärkere bundesweite Ausrichtung der Seminare wurden diese Räume jedoch viel zu wenig genutzt. Die haben wir nun eingespart, das lohnt sich sehr.

Fachmedien NEWS: Was haben Sie in nächster Zeit allgemein vor?

Burkhard P. Bierschenck: Nichts Spektakuläres, eigentlich mehr Evolution als Revolution. Wir revolutionieren allerdings unseren Online-Auftritt mit dem Ziel, nach und nach alle unsere Angebote und Dienstleistungen online käuflich bzw. buchbar zu machen. Einzelne Titel werden relauncht, wie in Kürze die Fachzeitschrift „das dental labor“. Außerdem wird in die Entwicklung neuer Fachtitel investiert. So ist das 2014 gestartete Dental-Magazin mit dem Titel „Gero-Prothetik“ zum sehr aktuellen Thema der Zahnversorgung älterer Menschen erfolgreich entwickelt worden. Für 2017 planen wir ein neues Objekt im Hygiene-Bereich. Wir vergrößern parallel dazu passend auch das Themenspektrum der Fortbildungsveranstaltungen und des Fachbuchbereichs, und wir bringen natürlich auch mehr E-Books heraus. Schließlich erweitern wir ganz banal auch ständig das Angebot unseres Fachbuchshops, denn alles wofür wir selbst glaubhaft werben können, verkauft sich dort auch.

Fachmedien NEWS: Sie leiten den Verlag Neuer Merkur seit 20 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter. In dieser Zeit hat sich viel verändert, das traditionelle Printgeschäft muss heute parallel zu Online bestehen.

Burkhard P. Bierschenck: Fachverlage haben heute ganz andere Probleme als die General-Interest-Verlage. Der Hauptunterschied besteht wohl darin, dass Fachmedien sogenannte „must have“-Inhalte haben, während Tageszeitungen und Illustrierte überwiegend „nice to have“-Inhalte anbieten. Das ist nicht neu. Diese „nice to have“-Inhalte finde ich heute allerdings überall im Internet, also braucht man vieles vom General-Interest-Inhalt eigentlich gar nicht mehr zu kaufen, was diese Medien sehr zu spüren bekommen haben. Fachmedien dagegen, die geschickt damit umgehen, ihre von hochqualifizierten Redakteuren erarbeiteten exklusiven Fachartikel, wenn überhaupt, dann nur kostenpflichtig online zugänglich zu machen, verlieren auch wesentlich weniger Print-Abonnenten. Was ich nicht kostenlos überall nachgeworfen bekomme, muss ich mir eben notgedrungen doch dort holen, wo ich es verkauft bekomme.

Fachmedien NEWS: Die Fachmedien könnten sich also zurücklehnen und weiter machen wie bisher?

Burkhard P. Bierschenck: Keineswegs, denn auch hier bietet das Internet durchaus ein paar neue Möglichkeiten. Diese zu finden und zu monetarisieren ist allerdings nicht ganz so einfach. Die meisten vollmundig in der Medienbranche propagierten „neuen“ Geschäftsmodelle waren bisher nicht viel mehr als heiße Luft, salopp gesagt viele Klicks und wenig Kohle. Nur direktes Verkaufen wie bei Amazon und Co. klappte gut, aber eine echt neue Idee ist der Versandhandel ja nun eigentlich nicht, oder? Doch das ändert sich jetzt langsam, und auch Fachverlage können vom Internet durchaus profitieren, sofern sie attraktive Zielgruppen und Inhalte haben, die sich mehrfach nutzen und sogar globalisieren lassen. Bei Fachmedien geht es stets rund um ein sehr spezielles Thema, also nicht nur um eine Zeitschrift, sondern auch um ergänzende Online-Angebote, Bücher und Fortbildungsveranstaltungen usw.

Fachmedien NEWS: Wie steht der Verlag Neuer Merkur denn im Ergebnis da?

Burkhard P. Bierschenck: Wir veröffentlichen unsere Bilanzen. Jeder kann also selbst sehen, dass wir Gewinn machen. Das wird auch weiter so bleiben, weil wir den Umsatz steigern und gleichzeitig die Kosten senken konnten.

Fachmedien NEWS: Globalisierung? Wie sehen Sie das Lizenzgeschäft?

Burkhard P. Bierschenck: Das Lizenzgeschäft war sicher mal interessant, allerdings haben sich früher oder später einige Lizenznehmer dann abgekoppelt, wenn sie glaubten, genug gelernt zu haben und das nun auch alleine zu können. Heute kann aber jeder Verlag von jedem Ort aus online selbst in die ganze Welt verkaufen, wertvollen Content ebenso wie Werbung. Das ist ein Riesenvorteil, man muss sich allerdings auf andere Sitten und Sprachen einlassen, was eigentlich nicht so schwer sein sollte. Wir gehen das Thema offensiv an.

Fachmedien NEWS: Sie haben früher in internationalen Konzernen gearbeitet, sprechen mehrere Sprachen und sind technikbegeistert. Hilft Ihnen das dabei?

Burkhard P. Bierschenck: Es schadet jedenfalls nicht in fremden Sprachen verhandeln zu können, das ist doch generell ganz nützlich. Aber es gibt ja im Notfall auch noch Übersetzer.

Fachmedien NEWS: Sie sind jetzt im Rentenalter. Wie sieht die Zukunft aus?

Burkhard P. Bierschenck: Nun, das Alter kann ich schlecht leugnen. Ich habe mich aber schon seit einiger Zeit immer mehr aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen und kümmere mich mehr um strategische Fragen und neue Produkte. Das funktioniert sehr gut und ich kann deshalb so noch einige Jahre weiter machen. Mir macht es jedenfalls noch Spaß.

www.vnmonline.de

Quelle/Foto: Magical Media

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